Wohnen und Corona: So geht es Mieter*innen

Von thomas

Wie einige von Euch möglicherweise mitbekommen haben, haben wir vor kurzem eine Umfrage zur Situation von Mieter*innen während der letzten Wochen gemacht. Wir wollten herausfinden, wie sich der aufgrund von Corona verfügte Lockdown auf eure Wohnsituation auswirkt und wie die Stimmung unter Mieter*innen ist. Nun haben wir die Umfrage ausgewertet und wollen euch hier die Ergebnisse präsentieren.

Vorweg zur Aussagefähigkeit der Daten: Um allgemeingültige Aussagen auf Grundlage einer Befragung treffen zu können, müssen bestimmte methodische Standards erfüllt werden. Dafür müssen persönliche Daten erhoben werden, um nicht ausschließlich Antworten von einer spezifischen Personengruppe zu erhalten. Sonst werden die Aussagen möglicherweise verzerrt.Unsere Umfrage erfüllt diese Standards nicht, da die einzige Voraussetzung zur Teilnahme war, Mieter*in zu sein. Insgesamt haben 250 Personen teilgenommen. Auf diese Personen beziehen sich die Ergebnisse. Darüber hinaus beanspruchen wir keine Gültigkeit, denken aber, dass sich viele Menschen in den geäußerten Sorgen wiederfinden.
Wir haben zum einen nach konkreten aktuellen Problemen gefragt, z.B. ob die Wohnung zu klein ist wenn alle zuhause bleiben sollen oder ob es Befürchtungen gibt, die Miete bald nicht mehr zahlen zu können. Zum anderen haben wir um Berichte zu generellen Sorgen bezüglich der Wohnungen und der Miete gebeten. Im Anschluss findet ihr die einzelnen Fragen noch einmal aufgelistet.

36 % der Befragten befürchten bald die Miete nicht mehr zahlen zu können. Die Gründe für diese Angst sind aber nicht allein in Einkommenseinbußen durch Corona zu finden. Steigende Mieten stellen für viele Mieter*innen nach wie vor eine existenzielle Bedrohung dar. Bisher geben 7% der Befragten an, dass es zu Sperrungen von Strom, Wasser oder Internet gekommen ist, weil Zahlungen nicht mehr geleistet werden können. Da es im Rahmen der Hilfspakete nur einen Kündigungsschutz für Mieter*innen gibt, jedoch keine Kostenübernahme, verschärft sich für viele die ohnehin schon angespannte Situation. Einige Teilnehmer*innen berichten, dass sie Kurzarbeitergeld beziehen und die Miete die Hälfte des Einkommens auffrisst. Für sie gibt es derzeit keine Aussicht auf Unterstützung.

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum drückt sich außerdem darin aus, dass 28 % der Befragten in einer zu kleinen Wohnung leben. „Unsere Wohnsituation ist seit Jahren angespannt, da wir als Familie zu viert in einer zu kleinen Wohnung und aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes keine größere Wohnung mehr finden, die für uns auch  bezahlbar wäre. Gerade in Zeiten der Kontaktsperre macht es sich noch mehr bemerkbar, wie gut für jeden einzelnen eine Rückzugsoption in der Wohnung wäre, aber Berlin gibt uns keine Chance mehr in dieser Stadt etwas geeignetes zum Wohnen zu finden, was auch bezahlbar wäre“ schreibt Chris. Auch generelle Probleme mit der Wohnung (65% der Teilnehmer*innen haben Sorgen, die ihre Wohnungen betreffen) fallen zur Zeit stärker ins Gewicht. Ständiger Baulärm, mangelnde Erreichbarkeit der Vermieter bei Mängeln, eingerüstete Häuser in denen Menschen im Home Office arbeiten sollen sind hier nur einige Beispiele.

Viele der geschilderten Probleme waren als vor Corona schon da, treten jetzt aber besonders zutage. 

Zum Abschluss möchten wir euch aber auch ermutigende Worte mitgeben: Mieter*innen berichten auch von Solidarität in der Nachbarschaft, weil sie sich im bisherigen Kampf gegen Deutsche Wohnen & Co. organisiert haben. Wir hoffen, dass wir uns weiter mit euch vernetzen können und machen natürlich weiter, bis zur Enteignung!

Fragen und Ergebnisse:

  • Ist eure Wohnung zu klein?
    • 28% ja, 65% nein, 8% keine Angabe   
  • Habt ihr Angst, eure Miete bald nicht mehr bezahlen zu können?
    • 36% ja, 64% nein   
  • Habt ihr andere Sorgen, die eure Wohnung betreffen?
    • 65% ja, 35% nein   
  • Gibt es Sperrungen von Wasser, Strom, Internet?
    • 7% ja, 93% nein    

Außerdem wurde ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten nach Erfahrungsberichten zur Wohnsituation und Corona gefragt. Hier haben uns viele Berichte erreicht, die wir nicht alle veröffentlichen können. Ihr findet in den nächsten Tagen Beispiele auf Facebook und Twitter!

Vielen Dank an alle, die an der Umfrage teilgenommen haben!