Eine Bratwurst reicht uns nicht

Protest beim Straßenfest der Deutsche Wohnen AG am 04. Juli 2018

 

Am Mittwoch lud die Deutsche Wohnen AG zu einem Straßenfest in der Siedlung Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg, um den 10-jährigen Bestand der Häuser als UNESCO-Weltkulturerbe zu feiern. Dabei zeigte sich das Unternehmen überraschend großzügig: Mit einem Gutschein für Bratwurst und Softdrink sollte den Mieter*innen und der Presse die Unternehmenspolitik schmackhaft gemacht werden.

Auch Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller kam vorbei um zu gratulieren und wies in seiner kurzen Ansprache auf die soziale Verantwortung der Vermieter im Angesicht der aktuellen Wohnungskrise hin. Dabei blieb es jedoch bei Allgemeinplätzen, ohne dass die unsozialen Geschäftspraktiken der Deutsche Wohnen AG konkret zur Sprache kam.

Wir ließen es uns daher nicht nehmen unsere Forderungen auf dem Straßenfest zu formulieren und die Mieter*innen und Nachbar*innen über die Geschäftspraktiken der Deutsche Wohnen AG zu informieren. Die Hufeisensiedlung und die Wohnstadt Carl Legien wurden in den 1920er Jahren gebaut, um die Wohnungsnot im schon damals florierenden Berlin zu dämpfen und sozialverträgliche, stabile Mieten zu garantieren. Die Siedlungen gehörten bis 1998 zur gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft GEHAG, bevor die Stadt die Häuser zu einem Spottpreis an private Unternehmen verkaufte. Heute profitieren einzig die Deutsche Wohnen AG und Ihre Aktionäre von den geschichtsträchtigen Siedlungen - Die verfehlte Berliner Wohnungspolitik mit der unwirksamen Mietpreisbremse hindert das Unternehmen nicht daran, unnötige Modernisierungsmaßnahmen auf alteingesessene Mieter abzuwälzen und bei Neuvermietungen Phantasiepreise anzusetzen.

Wir konnten unsere Forderung nach einer Enteignung der Deutsche Wohnen AG während der Ansprachen von Michael Müller und Deutsche Wohnen-CEO Michael Zahn deutlich machen und wurden dabei von vielen Mieter*innen und Nachbar*innen positiv aufgenommen. Fast alle Berliner*innen sind vom Mietenwahnsinn betroffen - Und sie wollen sich nicht mehr mit einer geschenkten Bratwurst abspeisen lassen.