„Kunst für den Kiez“? Statement zum Sponsoring des Berlin Mural Fest 2021 durch die Deutsche Wohnen

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Im August 2021 tritt der Immobilienriese Deutsche Wohnen als Hauptsponsor des Berlin Mural Fest auf und bezahlt Street Artists dafür, ganze Fassaden von Gebäuden überall in Berlin zu dekorieren. Für Unternehmen wie die Deutsche Wohnen hat der öffentliche Druck durch Anti-Gentrifizierungsinitiativen und den bevorstehenden Volksentscheid Deutsche Wohnen & Co. Enteignen dazu geführt, dass das Sponsoring von Kunst und Kultur derzeit wichtiger denn je ist. Solches Artwashing normalisiert profitorientierte Vorgehensweisen, die unsere Lebens- und Arbeitsräume in Orte der Prekarisierung verwandeln.

Als Berliner Künstler:innen und Kunstarbeiter:innen, die sich gemeinsam mit Deutsche Wohnen & Co. Enteignen organisieren, verurteilen wir die Aneignung der Ästhetik des Widerstands durch die Deutsche Wohnen, ihre Ausbeutung der prekären Situation von Künstler:innen und ihr Versuch, sich von ihrer Verantwortung für die Berliner Wohnungskrise mittels Kunstsponsoring reinzuwaschen: das ist Artwashing.

Mieten runter - Wände bunter!

Kunst existiert jedoch nicht in einer Blase jenseits von den gesellschaftlichen Problemen, die uns umgeben. Die Kommerzialisierung von Wohnraum verdrängt Familien mit niedrigem bis mittlerem Einkommen und verschärft die bereits bestehende Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Sie vernichtet auch selbstorganisierte Gruppen und nichtkommerzielle Orte. Dies gefährdet unsere künstlerische Arbeit und den Zugang zur Kunst für die Öffentlichkeit. Zugänglicher Wohnraum und bezahlbares Gewerbe sind nicht nur essenzielle Bedingungen der künstlerischen Produktion. Sie kommen allen zugute. Das Wohl der Kunst muss mit dem Wohlergehen unserer Gesellschaft verknüpft sein, es darf nicht zu Schaden dessen finanziert werden.

Wie Kimo, Mitgründer des Berlin Mural Fest, zu Recht anmerkt, hat die COVID-19-Pandemie in diesem Jahr den Kunst- und Kulturbereich hart getroffen. Während wir jedes Jahr einen immer größeren Teil unseres Einkommens für die Miete aufbringen müssen, schwellen die Gewinne der Deutschen Wohnen an. Unsere finanzielle Prekarität verschlimmert sich durch die Bestrebungen der Deutschen Wohnen und der Immobilienlobby, Maßnahmen wie den Mietendeckel zu kippen, der die Mieten bezahlbar machen sollte.

Es gibt Möglichkeiten sich gegen die Vereinnahmung von Kunst zur Wehr zu setzen. So z.B. übermalte der Straßenkünstler Blu im Dezember 2014 sein eigenes ikonisches Curvrystr.-Wandbild, anstatt zuzulassen, dass die Malerei im Dienste der fortschreitenden Gentrifizierung Kreuzbergs missbraucht wird. Lutz Henker, der gemeinsam mit Blu die Aktion durchsetzte, beschrieb die Zerstörung des Wandbilds als eine Erinnerung daran, dass Berlin „bezahlbare und lebendige Freiräume“ bewahren muss, anstatt noch mehr „untote Präparate der Kunst“ zu produzieren, die nur für diejenigen zugänglich sind, die sie sich leisten können.

Wir laden alle Künstler:innen ein, sich dem Kampf gegen den Ausverkauf der Stadt anzuschließen und gemeinsam für eine lebenswerte Stadt zu kämpfen, von dem die Voraussetzungen für künstlerische Produktion abhängen. Was unsere Kieze zu „einzigartigen Orten“ macht, sind wir, die Menschen, die in ihnen leben, und Street Art hat historisch den Zweck erfüllt, unsere Stimmen zu verstärken. Lasst uns dieses starke Mittel nicht denjenigen überlassen, zu deren Agenda Zwangsräumungen gehören. Lasst uns weiterhin zu unseren eigenen Bedingungen aktiv und präsent sein.

Wir rufen unsere Künstlerkolleg:innen auf, diese Stellungnahme zu unterschreiben und sich mit uns für eine Stadt einzusetzen, die für alle bezahlbar und zugänglich ist. „Kunst für den Kiez“ bedeutet nicht Artwashing, sondern sich gemeinsam gegen Privatisierung, Finanzialisierung und Spekulation von und mit unseren Kiezen zu stellen. Es bedeutet, am 26. September für die Vergesellschaftung von Deutsche Wohnen & Co aus unseren Kiezen zu stimmen – damit Berlin unser Zuhause bleibt.

Bitte meldet Euch bei uns (right2thecity@dwenteignen.de), um zu besprechen, welche anderen Möglichkeiten wir gemeinsam organisieren können. Wir freuen uns darauf, von Euch zu hören.

Gezeichnet,

Die Kunstschaffenden der Deutsche Wohnen & Co. Enteignen Kampagne,

Reclaim your city

bbk berlin

Kunstblock and beyond

Reclaim Club Culture

H48 Bleibt

Lause Lebt e.V.

Büro Otto Sauhaus

Sandy Kaltenborn/Image-Shift.net

QM Grunewald

Syndikat

kollektiv orangotango

Bizim Kiez

Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn Berlin

Feuerkraut Brigade

Kollektiv Lauratibor

Mal Crew

Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt Forum