Feministisch Enteignen! Warum die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne ein feministisches Anliegen ist

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136 Jahre soll es laut dem neuesten Gender Gap Report noch dauern, bis eine Gleichberechtigung erreicht wird. Können wir da nicht ein bisschen nachhelfen?

Aber was hat Wohnen denn mit Feminismus zu tun?

Die patriarchalen Strukturen zeigen sich auch auf dem kapitalistischen Wohnungsmarkt.

Das Bestimmen weniger großer Konzerne darüber, wer Zugang zu einem Großteil des vorhandenen Wohnraums erhält, öffnet die Türen für Diskriminierung bei der Mieter*innenauswahl. So werden Frauen und marginalisierte Geschlechteridentitäten beim Zugang und der Nutzung von Wohnraum durch verschiedene gesellschaftliche Mechanismen benachteiligt.

Was bedeutet FLINTA?

Wir benutzen in diesem Artikel statt der binären Unterteilung in ‚Mann‘ und ‚Frau‘ den Begriff FLINTA, der für Frauen, Lesben, inter und nichtbinäre sowie trans und agender Personen steht. Dieser Ausdruck wird als Überbegriff für marginalisierte Geschlechtsidentitäten, die im patriarchalen System diskriminiert werden, benutzt. Mit „Männer“ sind hier cis-Männer gemeint, also Personen, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die sich selbst als Mann bezeichnen.

Niedrige Löhne blockieren Zugang zu Wohnraum – vor allem für Frauen

Dass Menschen mit niedrigem Einkommen große Schwierigkeiten haben, eine bezahlbare Wohnung in Berlin zu finden, ist kein Geheimnis. Dieses Problem betrifft allerdings nicht alle gleichermaßen, denn: FLINTA machen den Großteil des wachsenden Niedriglohnsektors aus und haben dadurch erschwerte Bedingungen bei der Wohnungssuche. Insbesondere im Bereich des sozialen Wohnungsbaus gibt es in Berlin sowieso eine deutliche Unterversorgung, also zu wenig Wohnungen mit Mieten unterhalb einer bestimmten Miethöhe, die auch für Geringverdienende leistbar wäre.

Altersarmut führt zu Wohnungsnot – ungleich verteilte Sorgearbeit auch

Auch Altersarmut ist ein bestimmender Faktor, der die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung zur gefühlten bis tatsächlichen Unmöglichkeit machen kann.

FLINTA sind in Deutschland besonders von Altersarmut betroffen. Bei 16,4 Prozent lag der Anteil der FLINTA im Rentenalter, also über 65, mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze im Jahr 2018. Zum Vergleich: der Anteil der armutsgefährdeten Männer über 65 lag im gleichen Jahr mit 12,7 Prozent deutlich niedriger .

Gleichzeitig kümmern sich vor allem weiblich sozialisierte Menschen um pflegebedürftige und ältere Menschen. Sie leisten grundsätzlich die meiste unbezahlte Sorgearbeit und halten Familien- und Nachbarschaftsgemeinschaften zusammen. 85 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland sind Mütter, während 42 Prozent der Alleinerziehenden armutsgefährdet sind . Hier zeigt sich, wie eine ganze Reihe an äußeren Bedingungen und gesellschaftlichen Normen den Zugang zu Wohnraum für FLINTA erschwert.

Sichere Räume durch bezahlbare Mieten schaffen!

Das eigene Zuhause ist für viele FLINTA in patriarchal geführten Beziehungen ein Ort der finanziellen Unterdrückung und Abhängigkeit sowie der körperlichen und/oder psychischen Gewalt, vor allem in der Corona-Pandemie. In Berlin fehlt es an Schutzräumen und Anlaufstellen für hilfesuchende FLINTA. Femizide und Gewalt gegen FLINTA und queere Menschen nehmen zu. Auch für Frauenhäuser steigen die Mieten, und so können nur wenige Plätze angeboten werden.

Vergesellschaftung für einen gerechten Zugang zu Wohnraum für alle

Um eine soziale Stadt zu entwickeln, sind feministische Lösungsansätze notwendig: Vergesellschaftung und Selbstverwaltung fördern selbstbestimmtes Wohnen. Deswegen ist die Enteignung großer Immobilienkonzerne auch ein anti-patriarchales Projekt – eine Vergesellschaftung führt zu einer gerechteren Wohnpolitik für alle. 

Das gilt besonders für von Rassismus betroffene Menschen, geflüchtete und illegalisierte FLINTA und die, die in gefährdeten Situationen leben. Der Zugang zu Wohnraum darf durch keine Form von Diskriminierung beschränkt sein!