Was Vergesellschaftung von Wohnraum mit der Klimakatastrophe zu tun hat

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Die Klimakatstrophe und die notwendige Energiewende sind auch für Mieter:innen eine Bedrohung. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Erstens sind Mieter:innen – wie alle Menschen, wenn auch in unterschiedlichem Maße – von den Folgen des Klimawandels betroffen. Zweitens bedeuten energetische Modernisierungen nach gegenwärtiger Rechtslage häufig Mieterhöhungen und können so Verdrängungsprozesse beschleunigen.

Die gute Nachricht ist: Das muss nicht so sein. Im Folgenden zeigen wir wie Vergesellschaftung Mieter:innen- und Klimaschutz miteinander verbinden können. 

Bisherige Modernisierungen bedeuten oft Mieterhöhungen

Die gesetzlich erlaubten Umlagen für energetische Modernisierung fördern durch unbegrenzte Mieterhöhungsmöglichkeiten Verdrängung und Verarmung. Die 2019 erfolgte Senkung der Modernisierungsumlage von 11 auf 8 Prozent ändert nichts daran, dass die Umlage weitergezahlt werden muss, wenn die Dämmung längst abbezahlt ist. Die Mieterhöhung gilt ewig, dagegen sind die gesparten Heizkosten teilweise gering. Ökologisch ist eine Gebäudedämmung mitunter sogar fragwürdig. Die verwendeten Materialien sind zudem häufig Verursacher von Mikroplastikemissionen. 

Während Konzerne wie die Deutsche Wohnen die Energiewende als Hebel zur Mieterhöhung missbrauchen, machen die meisten Genossenschaften es richtig: Sie legen die Kosten für energetische Modernisierung nicht auf die Einzelmieter:innen um, sondern zahlen sie aus den Gesamtgewinnen. In der Regel wird dort geprüft, ob eine Dämmung wirklich Heizkosten spart – ansonsten unterbleibt die Maßnahme. Vergesellschaftung bietet die Möglichkeit, diese sinnvolle Praxis zu verallgemeinern: Dämmung nur da, wo es Heizkosten spart oder wenn es aus Klimagründen sinnvoll ist, mit ökologisch verträglichen Materialien, finanziert aus allgemeinen Überschüssen und nicht durch Mieterhöhungen, die Mieter:innen in Existenznot treiben. Eine energetische Modernisierung der Häuser sollte neben dem Erhalt von günstigen Mieten als gemeinsames Ziel vorangetrieben werden.

Vergesellschaftung von Wohnraum schützt Mieter:innen und das Klima

Auch bei der Energieerzeugung birgt Vergesellschaftung innovative Möglichkeiten: Bereits jetzt unterstützen mit den landeseigenen Wohnungsunternehmen vor allem öffentliche Akteur:innen das Stadtwerk Berlin in seinen Bemühungen, mit Mieterstrom-Modellen die Energiewende in der Stadt voranzutreiben. Dazu lassen die landeseigenen Unternehmen Photovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Häuser installieren, deren Solarstrom zu Vorzugspreisen direkt an die Mieter:innen geliefert wird. Das Modell zeigt, wie öffentliche Unternehmen die Energiewende vorantreiben können, ohne den Landeshaushalt zu belasten. Im Gegenteil, Stadtwerk und Mieterstrom generieren Einnahmen, die wiederum für Projekte zur Energiewende eingesetzt werden. Ein großer Bestand von vergesellschafteten Wohnungen könnte diese Kooperation auf eine neue Stufe heben. Gemeinwirtschaft im Wohnungsbereich stützt somit eine Gemeinwirtschaft im Energiebereich – und erleichtert die Energiewende.

Zudem soll die Anstalt öffentlichen Rechts so konzipiert sein, dass sie Kredite aufnehmen und energetische Modernisierungen vorantreiben kann. Hier kann sie sogar eine Vorreiterrolle einnehmen, da es nicht mehr vorwiegend um Profitmaximierung geht. Ein „Ja!“ zur Vergesellschaftung bedeutet insofern auch ein „Ja!“ zu einer Energiewende, welche Profitinteressen hintenanstellt und das Interesse der Mieter:innen mit dem Klimaschutz zusammen an erste Stelle setzt.